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  Menschenfeind
      Seul contre tous

Menschenfeind
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Menschenfeind bei OFDb
ID: 762 Views gesamt: 2318
Filmtitel Menschenfeind
Originaltitel Seul contre tous
Regisseur Gaspar Noé,
Darsteller Philippe Nahon, Blandine Lenoir, Frankie Pain, Martine Audrain, Jean-François Rauger, Guillaume Nicloux, Olivier Doran, Aïssa Djabri, Serge Faurie, ,
Jahr 1998
Land Frankreich
FSK Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG FSK
Länge 93 min
Genre Drama,
Inhalt Hat das Leben eine Moral? Hat die Gesellschaft eine Gerechtigkeit? Wenn ja, wie sieht sie aus? Wenn nein, ist man dann verloren in der eigenen Existenz? Diese Fragen sind meistens bei Menschen im letzten Verzweiflungsstadium anzutreffen. Ohne Perpektive, leben solche Menschen im Schatten der Gesellschaft, werden teils von ihr verstoßen und vergessen, aber vergessen und verstoßen sich jedoch auch selbst. Mit „Menschenfeind“ schafft Gaspar Noé ein filmisches Porträt über die tiefsten Tiefen der menschlichen Psyche und zeigt die Abgründe menschlichen Verstandes.

Der Zuschauer erfährt am Anfang des Films, die Geschichte eines Mannes und seiner Kindheit. Eine Geschichte aufgebaut aus Leid und Verzweiflung. Als 6 Jähriger wird er zum Vollwaisen und wird im christlichen Waisenhaus von einem Priester sexuell missbraucht. Einsam und verlassen baut er sich eine bescheidene Existenz auf und lernt den Beruf des Schlachters. Durch harte Arbeit und eigene Entschlossenheit, schafft er es, sich einen eigenen Laden zu kaufen. Er gründet sogar eine kleine Familie, die jedoch schnell zerfällt. Die Mutter seiner Tochter Cynthia (Blandine Lenoir) verlässt ihn und der Mann sieht sich gezwungen seine Tochter alleine aufzuziehen. Eine innige Beziehung entwickelt sich zwischen Vater und Tochter. Doch das Schicksal verpasst ihm wieder einen schmerzlichen Schlag. Der Mann landet im Gefängnis, nachdem er fälschlicherweise einen Bauarbeiter beschuldigt hatte, seine Tochter vergewaltigt zu haben, und diesen mit einem Fleischermesser tötete.

Nach dieser kurz gehaltenen Einführung in die Geschichte von „Menschenfeind“, wird das Geschehen in die Gegenwart versetzt. Der Mann von dem die Geschichte handelte bzw. der Erzähler selbst, spricht von seiner verlorenen Existenz. Es scheint, dass alles was er im Leben findet, ihn immer tiefer ins Verderben reitet. Die Frau, die er schon lange nicht mehr liebt (bzw. noch nie wirklich geliebt hatte) beginnt ihn richtig anzuwidern. Das Kind, das sie von ihm hat, ist ihm dabei völlig egal. Als er es nicht mehr aushält und seine Frau verprügelt, und dabei das ungeborene Kind umbringt, macht er sich wieder auf den Weg zurück nach Paris, um einen weiteren Neuanfang zu starten. Doch das Verderben scheint sich an sein Schicksal geheftet zu haben, denn schon nach einem Tag, hat er fast kein Geld mehr und ist nahe dem totalen psychischen Absturz. Seine Hasstiraden gegen verschiedene Menschen aus seinem Umfeld, die ihn auch nur irgendwie schräg anschauen, eskalieren bald und Gewalt brodelt im Inneren des Hauptcharakters. Er entschließt sich nicht mehr von der gesellschaftlichen Grenzen einengen zu lassen und sehnt sich nach Rache an ihr. Dafür hat er sich seinen früheren Fleischlieferanten ausgesucht, der für seine Homosexualität und seinem kriecherischen Gehabere büßen soll. Doch weiß er, dass auch er sich bei diesem Mordanschlag opfern muss. Ihm ist diese Tatsache egal, aber er befürchtet sein Tod könnte seine Tochter Cynthia in die gleiche Lebenslage bringen wie seine eigene. Es gibt also nur eine Möglichkeit, sich selbst und seine Tochter aus diesem „Drecksleben“ zu retten...
Autor Will-Shake
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Bewertung ( 2 Stimmen )


Bislang wurden zu diesem Film 1 Kritik verfasst.

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Von Will-Shake, geschrieben am 26. December 2005
Filmwertung:

Die Geschichte von Menschenfeind, über einen namenlosen Schlächter, der in seinem Leben nichts Gutes und Erwähnenswertes erlebt hat, tritt in einem betont einfachen Äußeren auf der Leinwand auf. Es ist keine pure düstere Stimmung, die den einsamen Mann begleitet. Die Bilder wechseln zwischen hell und dunkel Abstufungen ab und auch die Schnelligkeit wechselt zwischen einer rasanten Kameraführung und leisen Stillaufnahmen. Einzig und allein der Inhalt der Monologe weisen auf einen tiefdramatischen und tragischen Plot hin. Denn der Sprecher spricht mit scheinbar unbändiger Wut und Hass. Dieser richtet sich gegen seine ganze Umwelt und selbst banale Dinge wie ein fremder Blick, bringen diese Gedanken in Rage. Dabei hält der Jähzorn des Erzählers kein Blatt vor den Mund und Fäkalvokabular wird aus der tabusierten Zone in die Trivialität gesetzt. Dies intensiviert die hektische wutgelandene Stimmung des Protagonisten. Als krasser Kontrast zur aufgewühlten Psyche steht die ruhige leer wirkende Kulisse des Paris der 80er Jahre. Das Millieu ist nicht etwa die prunkvolle Stadt selbst, sondern die ärmlichen Außenbezirke, mit alten stillgelegten Industriegebäuden. Dies vermittelt die Einsamkeit der Menschen und ganz speziell das Verlorensein des Protagonisten. Ein Mann, der alles verloren hat und nichts mehr im Leben findet, außer der rauhen harten und ungerechten Realität, muss eben auch einsam sein. Künstlerisch wurden diese Szenen umgesetzt, denn wenn der einsame Mann an einer Mauer vorbei geht, sieht der Zuschauer ein Bild von erdrückender Stille und Einsamkeit und der Mensch wirkt klein, im Gegensatz zur materiellen Existenz (in Form der Mauer und der Graffitti). Anders zeigt sich die Szenerie bei den Bildwechseln. Der Zuschauer wird öfters durch einen lauten Knall aufgeweckt, der einem schnellen Kameraschwenk vorausgeht. Dies deutet zwar Innovativität an, aber auf narrativer Ebene, sind diese „Cuts“ ziemlich sinnlos.

Auch bei „Menschenfeind“ steht die Charakterporträtierung ganz groß im Vordergrund. Fast schon makaber präsentiert sich der Schlächter in seiner Gestik, Mimik und seinen Monologen. Hervorragend gemimt von Philippe Nahon, wirkt die teils nüchterne, teils jähzornig-brutale Figur der einsamen verlorenen Seele, die das Leben aus einem rein nihilistischen Blickwinkel sieht, sehr dunkel und traurig. Das Treffen von Tochter (Blandine Lenoir) und Vater, stellt daher den einzigen Wendepunkt und Hoffnungsschimmer der Geschichte dar. Denn die Liebe des Protagonisten gehört alleine seiner Tochter und obwohl, wie er selbst sagt, das Leben seiner Tochter auf ein Missverständnis zurückläuft, fühlt der sonst Gefühllose Mann tiefe Verantwortung für das Mädchen. Diese gemeinsamen Szenen der beiden, die zusammen nur etwa 20 Minuten dauern, stellen den Höhepunkt des Filmes dar. Inhaltlich schwebt dabei stets der Inzest über den zärtlichen Berührungen von Vater und Tochter. Eine tiefsitzende Intensität wird dadurch realisiert und der Zuschauer fühlt förmlich die bedrückende Tragik der ganzen Geschichte.

Traurig, bedrückend, hoffnungslos, aber doch irgendwie ergreifend, versteht es „Menschenfeind“ den Zuschauer gleichzeitig abzuschrecken und anzuwidern, aber auch zu faszinieren und zum Denken zu animieren. Wegen der Brutalität und der teils extremen Gewaltdarstellungen, ist der Film wirklich nur zu empfehlen, wenn man sich mit solchen Dingen abfinden kann. Andernfalls ist strikt davon abzuraten, denn „Menschenfeind“ setzt nahezu jedes Tabu auf unmenschliche Weise in Szene.

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